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Totengedenkbuch - Allerseelen 2015 -

Ausstellung des Buches in der Marienkapelle

Nach langer Vorbereitung war es endlich soweit: Das Totengedenkbuch wurde am Allerseelentag, dem 2. November 2015, in der Marienkapelle unserer St. Elisabethkirche veröffentlicht. In Gemeinschaftsarbeit ist dieses Buch entstanden. Einige engagierte Damen und Herren der Gemeinde hatten sich vorgenommen, eine Chronik zur Erinnerung und des Gedenkens an die verstorbenen Gemeindemitglieder zu erstellen, d.h. die Namen der Verstorbenen mit Todesdatum in einem Gedenkbuch niederzuschreiben. Zum jetzt vollzogenen Abschluss dieser Aufgabe sind nun auf der jeweils aufgeschlagenen Tagesseite die Namen der an diesem Tag Verstorbenen zu ersehen.  Die Aufzeichnungen beginnen mit dem Jahr 1911. In jenem Jahr fand auf dem heutigen Westfriedhof die erste katholische Beerdigung statt. Für jeden Besucher der Kirche sind nun in dem ausgestellten Buch die Namen der verstorbenen katholischen Heßleraner, die auf dem Westfriedhof beigesetzt worden sind, wiederzufinden. So wird aus der Chronik gleichsam ein Innehalten und gleichsam ein Gedenken an liebe Menschen, die dem Betrachter einmal nahestanden und die er somit nie vegessen möge. Es stellt sich zukünftig die Aufgabe, die Aufzeichnungen in dem Totengedenkbuch stets zu komplettieren.
 
 
In der Marienkapelle im Eingangsbereich der St. Elisabethkiche wurde das Totengedenkbuch zur Einsicht ausgestellt.
 
               
                Buchdeckel und aufgeschlagene Tagesseite: 2. November, auf der bis dato 17 Verstorbene eingeschrieben sind.
                        Erster Eintrag: Todesjahr 1914 - Greifenberg Katharina, letzter Eintrag Todesjahr 1973 - Vogel Helene
 
 

Die nachfolgende Betrachtung ist auch als Einstiegsseite im Totengedenkbuch eingebunden:

Ein Ort der Ruhe und der Besinnung - Der Westfriedhof in Heßler

Hervorgegangen ist der hiesige Friedhof aus dem am 10.08.1902 eingeweihten evgl. Friedhof. Im Jahre 1908 verkauften die Landwirte Große Grollmann und Horn die für die Ausdehnung des Friedhofes notwendigen Landflächen an die Stadt Gelsenkirchen. Als kommunaler Friedhof wurde er von dem späteren Gelsenkirchener Stadtgartendirektor Ludwig Simon ausgebaut. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Westfriedhof. Die Bestattungen der verstorbenen Heßleraner Katholiken fanden seit Ostern 1911 nicht mehr auf dem katholischen Schalker Friedhof statt. Die erste katholische Beerdigung in Heßler erfolgte am 19.04.1911. Bestattet wurde das Kind Klara Schlenke.

Die große Trauerhallenanlage wurde 1912 eingeweiht.

 
Einweihungsfeier der Trauerhalle Zechenbahnbrücke im Eingangsbereich zum Westfriedhof
 
Das rechte Bild bot sich dem Besucher beim Betreten des Friedhofs, bevor die Brücke demontiert wurde.
 

Dazu der ausdrucksvolle Artikel  der Gelsenkirchener Zeitung vom 7.8.1922:

Die Oase des Friedens –

Ein herrlicher Anblick ist es, der sich dem Beschauer bietet, wenn er seinen Blick von der Grimmschule aus zum Westfriedhof richtet. Der Brückenbogen der Eisenbahn wirkt wie eine Bühnenöffnung, hinter der eine liebliche Landschaft aufblüht. Sanft steigt das Gelände an. Aus einem weiten Rasenbeet, das durch Ligusterhecken von den mit jungen Platanen eingefassten Wegen getrennt wird, leuchten weiße Rosen. Eine dichte Holunderhecke schließt das Bild rechts und links ab. Wie eine Krone ruht die mit Kolonaden versehene Kapelle über der Landschaft. Eine stumpfe, blaugraue Ruhe, in die das durch die braungelben Fenster fallende Licht golden hineinspringt, wuchtet in dieser Kapelle. Die Kuppel des Raumes scheint sich in die Unendlichkeit zu heben. Oben leuchtet ein Glasornament wie ein Stückchen blauer Himmel. Von den Wänden grüßen die Figuren ekstatisch verzerrter Greise, die Hände und Augen zu dem Stückchen Himmelsblau erheben. Im Halbdunkel bewegt sich ihr Mund, und eine stumme Mahnung tropft herab: "Schau uns an! Schau uns genau an! Wir sind alle gleich. Die gleiche Haltung, die gleiche Größe, das gleiche Gesicht. Wir kennen keinen Unterschied! So wirst auch du einmal sein, wenn du vor dem stehst, der da oben über dem Himmelsblau thront." Und dann bricht die Sonne durch das Gewölk. Sie sucht sich ihren Weg und schickt ihre Strahlen durch die braungelben Fenster. Auf dem kalten Steinboden der Kapelle glüht ein goldenes Wunder auf. Ein goldenes Wunder, das auch uns im Leben tausendfach aufglühen kann, auf Weg und Steg, wenn wir die Mahnung der Greise beherzigen: "Wir sind alle gleich, wir sind Brüder!" Draußen leuchtet die Spätnachmittagsonne, und der Wind barst leise in den Trauerweiden. Am Gartenhäuschen bluten wilder Wein und Heckenrosen. Vor dem Gartenhäuschen aber leuchtet es auf dem Versuchsbeet in allen Farben: die gelbe Teerose und van Houtens sammetartige Dunkelrote. Annchen Müller lacht rosarot und die Sumburtrose strahlt wie das goldene Brokatkleid einer ehrwürdigen Matrone. Hinter der Kapelle und den Kolonaden liegt der stille Friedhof. Keine Verunstaltung durch nichtssagende Denkmäler in wüster Steinmetzarbeit. Alles eine schwingende Harmonie - ein Bild des Friedens und der klingenden Ruhe. Die Verwaltung hat Richtlinien aufgestellt, die jeder beachten muss, der ein Denkmal aufstellen lassen will. So wird die Einheitlichkeit des Ganzen nicht gestört. Hinterpflanzungen bilden den Abschluss der nach künstlerischen Gesichtspunkten aufgestellten Fläche. Blaufichten träumen über den stillen Gräbern ihren Märchentraum, in der das Rot der Geranien hineintönt wie eine starke Melodie. Der Mai muss ein herrliches Farbenwunder hervorzaubern: Weißer Flieder und das satte Braun der Rotbuchen verbinden sich zu einer seltsamen Symphonie. Auf dem Ehrenfriedhof blühen Rosen, Rosen, Rosen. Auf den Gräbern deutscher Helden, auf den Gräbern derer, die fern der Heimat in deutscher Erde den letzten Schlaf tun. Ein später Schmetterling segelt durch Rosenduft und Sonnengold, weiß wie die Seele eines Kindes! Wie eine trutzige Wallmauer steigt die dicke Ligusterhecke auf. Gleich rechts neben der Kapelle liegen die Reihengräber. Manch` frischer Erdhügel erhebt sich, kranzgeschmückt und tränenfeucht. - Frieden, holdseligen Frieden atmet alles. Ein vergessener Glockenklang schwebt durch die Luft in die Unendlichkeit. Die Sonne verschwindet im Westen. Noch einen Strahl, den letzten goldenen wirft sie auf die Stätte des Friedens, wie ein Mensch noch einmal in die Welt schaut, bevor er seine Augen für immer schließt.

 

 Die Trauerhallenanlage auf dem Gelsenkirchener Westfriedhof in Heßler, wie sie sich heute darstellt.

(Alois Kessel)