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Führungen durch die Kirchen in Heßler

Eine Aktion des Heimatbundes Gelsenkirchen e.V.

Angeregt durch den Heimatbund fanden am 9. November 2013 in unserem Stadtteil Heßler Führungen durch die beiden Kirchen statt. Um 14,30 Uhr trafen sich die interessierten Teilnehmer dieser Veranstaltung zunächst vor der evangelischen Kirche am Marktplatz. In der Kirche begrüßte Pfarrer Michael Schönberg die Gruppe von ca. 45 Personen. Er schilderte sodann die Entstehung der evangelischen Kirchengemeinde in Gelsenkirchen, die mit der Reformation ihren Anfang nahm. Ab dieser Zeit wurde die um das Jahr 1000 errichtete St. Georgkirche im Dorf Gelsenkirchen zur Simultankirche, in der die evangelischen als auch die katholischen Christen ihre Gottesdienste abhielten. Diese Ordnung bestand bis zum Bau der katholischen St. Augustinuskirche im Jahre 1845. Mit der rasanten Zunahme der Bevölkerung in Gelsenkirchen durch die Industrialisierung entstanden in den heutigen Stadtteilen Kirchbauten sowohl für die evangelischen als auch für die katholischen Christen. In Heßler konnte im Jahre 1911 die evangelische Kirche am Marktplatz fertiggestellt und der Umzug unter Pfarrer Heinrich Dietrich Mittorp aus dem damaligen Bethaus an der Kanzlerstraße vollzogen werden. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche total zerstört. Nur der wuchtige Turm hielt - bis auf die erheblichen Schäden - der Bombardierung stand. Erst im Jahre 1955 fand der Wiederaufbau der Kirche statt, die dann wiederum im Jahre 2000 rundweg außen und innen unter Pfarrer Michael Schönberg einer Sanierung bedurfte.

Der wuchtige Turm der evangelischen Kirche am Marktplatz in Heßler

 

Die evangelische Kirche vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.

Nach dem Wiederaufbau hat der Innenraum der Kirche eine weit schlichtere Gestalt angenommen.

 

Pfarrer Michael Schönberg während seiner Ausführung zur Chronik der Kirche

Nach der umfangreichen Information gewannen die Teilnehmer über die aufschlussreichen Dokumentations-Stellwände weitere Einblicke in die inzwischen 102jährige Geschichte der evangelischen Kirche in Heßler.

 

Zum Ende der Führung durch die evangelische Kirche stand die Führung durch die St. Elisabethkirche auf dem Programm. Auch dort fand sich eine in etwa gleich große Teilnehmergruppe zusammen. Eine Diaschau, vorgetragen von Alois Kessel, versetzte die Anwesenden in die Anfänge des Kirchenbaues und in die weitere Geschichte der katholischen Kirche in den verflossenen 112 Jahren. Im Jahre 1901 entstand durch den Recklinghäuser Architekten Franz Lohmann eine kleine Kirche im neugotischen Stil an der damaligen Friedenstraße (heute = Holtgrawenstraße). Von der Größe her reichte sie nur vom Chorraum bis etwa zu den heutigen Seiteneingängen. Den Bauplatz hatte die Pfarrei St. Joseph in Schalke, zu der die Gemeinde Heßler gehörte, von dem Gutsbesitzer des Gutes Große Oven, Ernst Schalke, erworben. Der Kaufpreis betrug 10 Mark pro Quadratrute. Nach einer nur siebenmonatigen Bauzeit konnte die Kirche "St. Mariä-Himmelfahrt" am 4. Dezember 1901 eingeweiht werden. Wilhelm Siebers, Vikar in Schalke, wurde als erster Pfarrvikar in Heßler eingesetzt. 20 Jahre verblieb die Filialgemeinde bei der Mutterpfarrei in Schalke. 1921 bekam dann die Gemeinde in Heßler unter Pfarrvikar Johannes Schwan ihre Selbständigkeit und erhielt den Status einer eigenständigen Pfarrei. Als die Zahl der Pfarrangehörigen durch Zuwanderungen immer größer wurde, stand der Plan für eine Kirchenerweiterung auf der Tagesordnung des Kirchenvorstandes. Die Lösung war der Anbau eines Langhauses mit einer Stahlkonstruktion, die dann mit Backsteinen umbaut werden sollte. Als ausführendes Unternehmen wurden die Vereinigen Kesselwerke (WERK ORANGE mit Sitz in Heßler) beauftragt. So kam es am 4. Mai 1931 zum Baubeginn für die Erweiterung der Kirche. Am 8. Dezember 1931 - also wiederum nach einer nur siebenmonatigen Bauzeit - wurde die Kirche eingeweiht. Sie erhielt auch einen neuen Namen. In Erinnerung an den 700. Todestag der Hl. Elisabeth von Thüringen, der einen Monat zuvor begangen wurde, trägt sie seitdem den Namen dieser deutschen Heiligen: "St. Elisabeth". Gute Zeiten des Aufstrebens der Pfarrei, aber auch bittere Zeitabschnitte während der beiden Weltkriege prägten die Geschichte der katholischen Kirche in Heßler. Im zweiten Weltkrieg wurden das Kirchengebäude und das Pfarrhaus so sehr beschädigt, dass ein geregeltes Gemeindeleben nur mit enormen Schwierigkeiten vollzogen werden konnte. Durch Bombeneinschläge im näheren Bereich der Kirche waren die Kirchenfenster zerbrochen, das Kirchendach zum großen Teil freigelegt und das Deckengewölbe total zusammengebrochen. Die Feier der Gottesdienste war für lange Zeit nur in der Kapelle des Schwesternhauses möglich. Der Wiederaufbau der Kirche unter Pfarrer Meinolf Niggemeyer wurde jäh hart belastet durch die grausame Ermordung dieses beliebten Pfarrers am 13. Februar 1949. Der Raubmord, der in dem Pfarrhaus geschah, hinterließ in der Gemeinde einen durchdringenden Schock und tiefe Traurigkeit. Unter Pfarrer Augustinus Stöcker, dem Nachfolger des ermordeten Pfarrers, konnte die Kirche bis zum Jahre 1953 wieder vollständig erneuert werden. Unter der Führung von Pfarrer Josef Hütte vollzog sich von 1963 bis 1966 abermals eine umfangreiche Außen- und Innensanierung der Kirche. Pfarrer Klaus Reiermann machte es sich 1996 zur Aufgabe, die inzwischen arg verschmutzten Innenwände des Gotteshauses hell streichen und neue Beleuchtungskörper installieren zu lassen.

       Nachfolgend sind die bisherigen geistlichen Amtsinhaber an St. Mariä-Himmelfahrt bzw. an St. Elisabeth aufgeführt:

1. Wilhelm Siebers Pfarrvikar 08.12.1901 - 30.11.1916
2. Johannes Schwan  ) Pfarrvikar 03.12.1916 - 07.12.1921
                                     ) Pfarrer 08.12.1921 - 04.04.1937
3. Meinolf Niggemeyer Pfarrer 05.04.1937 - 13.02.1949
4. Augustin Stöcker Pfarrer 01.05.1949 - 01.02.1961
5. Josef Hütte Pfarrer 16.04.1961 - 11.08.1968
6. Wilhelm Kersting Pfarrer 24.11.1968 - 31.01.1980
7. Edmund Ernst Pfarrer 16.03.1980 - 31.05.1989
8. Klaus Reiermann Pfarrer 18.06.1989 - 19.09.2004
9. J. Alois                    ) Pfarrverweser 20.09.2004 - 30.06.2005    (in der Vakanzzeit)
   Gómez de Segura, ) Pfarradministrator 01.07.2005 - 01.09.2007    (offizielle Ernennung)
   Amigonianer-Pater )   Pastor 02.09.2007 - 31.12.2013    (Gründg.der Großpfarrei St. Joseph)

Seit der offiziellen Gründung der Großpfarrei St. Joseph, Gelsenkirchen-Schalke, am 2. September 2007, wird St. Elisabeth in Heßler nicht mehr als Pfarrei, sondern als Gemeinde innerhalb der St. Joseph-Pfarrei geführt. Pastor der Gemeinde St. Elisabeth ist Pater Alois, der aber aus gesundheitlichen Gründen und auch mit Erreichung seines 70. Lebensjahres zum Ende 2013 seine Amtsführung - nicht aber seine seelsorgerische Tätigkeit - aufgeben wird.

 

 Außenansicht der heutigen St. Elisabethkirche

 Innenansicht der St. Elisabethkirche nach der Erweiterung im Jahre 1931

 

 Innenansicht der heutigen St. Elisabethkirche

 

 Innenansicht mit Blick zum Haupteingang und zur Orgelbühne

 

 

Links: Hauptkreuz der Künstlerin Hildegard Bienen aus Marienthal

Oben: Chorfenster des Künstlers Heinrich Stephan aus Gels.-Buer. Darstellungen: Geburt Christi - Auferstehung Christi - Geistsendung

 

 

Alois Kessel während der Diavorführung, in der er zu Anfang eine Postkarte aus dem Jahr 1917 auf die Leinwand projizierte. Auf dieser Karte sind die kleine St. Mariä-Himmelfahrt-Kirche und die Reichskanzlerecke (gegenüber der heutigen Sparkasse) abgebildet.

 

Den Teilnehmern wurde die Geschichte der katholischen Kirche visuell nahegebracht.

Im Anschluss an die bildliche Darstellung der Kirchenchronik begab sich die Gruppe mit Alois Kessel durch einen Informationsgang durch die Kirche. Mit entsprechenden Erläuterungen konnten an den einzelnen Stationen die vorher auf der Leinwand vorgestellten sehenswerten und bedeutenden Objekte des Kirchenraumes vor Ort betrachtet werden. Dazu die folgenden Bilder:
 

 

 

Kaum zu sehen: Julian Szewczyk. auf der Orgelbühne vor der großen Orgel.

Zum Abschluss der Kirchenführung in St. Elisabeth verweilten die Teilnehmer noch einmal in den Bänken. Der junge Organist brachte ihnen die virtuos auf der Orgel gespielten Variationen zur Kantate "Lobe den Herren" zu Gehör.

Mit dieser musikalischen Darbietung gingen die Führungen durch die beiden Kirchen in Heßler zu Ende.

 

(Alois Kessel)