Sie sind hier: Archiv

Archiv


Besuch der neuen Synagoge und jüdisches Essen 2012

  

Nach namentlicher Anmeldung besuchte am 15. März 2012 eine Gruppe aus unserer St. Elisabethgemeinde die neue Synagoge in Gelsenkirchen. Diese Synagoge wurde nach der Grundsteinlegung am 9. November 2004 durch Paul Spiegel an genau der selben Stelle in der Gildenstraße/Ecke Georgstraße erbaut, an der die alte Synagoge stand. Die Einweihung fand am 1. Februar 2007 statt. Die alte Synagoge ging in der sog. Reichskristallnacht in Flammen auf. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte Gewaltmaßnahmen gegen Juden durchgeführt worden, die im damaligen Deutschen Reich zahlreiche Synagogen brennen ließen - so auch die Gelsenkirchener Synagoge. Mit diesem Tag begann zugleich nach der Diskriminierung der deutschen Juden deren systematische Verfolgung, die letztendlich im verbrecherischen Holocaust mündete. Über die jüdische Geschichte und die Gräueltaten im ´Dritten Reich`, besonders aber über die Verfolgung und teilweise Vernichtung ihrer eigenen Familie informierte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Frau Judith Neuwald-Tasbach, in ergreifenden und bewegenden Worten die anwesenden Besucher. Die Heßleraner erfuhren Wissenswertes über die Anfänge und das Wachstum jüdischen Lebens in Gelsenkirchen, über die Achtung jüdischer Kaufleute, die in der Stadt präsent waren, aber auch über die spätere Abwertung der jüdischen Bevölkerung nach 1933. `Betten-Neuwald` war seit jeher für jeden Gelsenkirchener ein Begriff. Der letzte Besitzer des Geschäftes, Kurt Neuwald - Judiths Vater -, wurde nach Riga deportiert, hat aber das Hitlerregime überlebt. Der gebürtige Gelsenkirchener baute nach 1945 die örtliche jüdische Gemeinde wieder auf. Am 6. Februar 2001 verstarb der Ehrenbürger der Stadt Gelsenkirchen. 

Nach Darstellung der vielen informativen Schilderungen durch Frau Neuwald-Tasbach begab sich die Besuchergruppe in den Betsaal der jüdischen Gemeinde. Hier werden vier Thorarollen aufbewahrt. Die Thora ist eine Rolle aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose von Hand aufgeschrieben sind. Aus der Thorarolle wird im Gottesdienst gelesen. Der Gelsenkirchener Betsaal ist sehr schlicht gehalten. Er soll somit im Gottesdienst die Konzentration auf das Wesentliche, auf den Ritus und das Wort Gottes, begrenzen. Mit herzlichem Dank an Frau Neuwald-Tasbach endete nach ca. 2 Stunden der aufschlussreiche Abend in der Synagoge. 

Mit dieser Inschrift werden die Besucher eingeladen, ins Haus -in die Synagoge- zu kommen,

 

so auch die Heßleraner Gruppe von St. Elisabeth,

die den Ausführungen von Judith Neuwald-Tasbach interessiert folgte.

Das ist die alte Synagoge, die in der Kristallnacht ein Raub der Flammen wurde. Judith Neuwald-Tasbach informierte eingehend und fesselnd über die vergangene und jetzige Epoche in der deutsch-jüdischen Geschichte.

 

 

Im Hintergrund rechts sind die Türme der alten Synagoge aus Sicht des damaligen Neumarktes zu erkennen. 

 

 

 

Links: Alte Gebetsbücher

Rechts: Aus der alten Synagoge stammende und gerettete Gegenstände

 

Kurt Neuwald war es, der sich nach Ende des verheerenden Krieges beim Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen in erster Linie  bewundernswert engagierte.

Bei entsprechender Zoom-Einstellung ist die nebenstehende Schilderung der Neuanfänge gut zu lesen.

 

 

 

 

   Judith Neuwald-Tasbach erklärt den Besuchern die Bedeutung der hier installierten sieben Glasfenster, die das jüdische Jahr mit den wichtigsten Feiertagen darstellen. Die Fenster entwarf der Gelsenkirchener Künstler Walter Klocke für den im Jahre 1958 eingerichteten jüdischen Betsaal in der Von-der-Recke-Straße. Nach Errichtung der neuen Synagoge schmücken sie nun sehr eindrucksvoll mit entsprechender Hintergrundbeleuchtung das Foyer vor dem großen Gebetsraum, der in den folgenden Bildern zu sehen ist.      

 

 

Links: In dem großen Gebetssaal sind über den Thorarollen die Gesetzestafeln mit den 10 Geboten angebracht.

 

Interessiert nimmt die Besuchergruppe die Erklärungen in sich auf, die aufschlussreiche Einblicke in die jüdische Kultur und den Gottesdienstritus vermitteln. 

 

 

Zum Ende des Synagogenbesuches liest die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde den Heßleranern einen Segensspruch in hebräischer und deutscher Sprache vor. 

Pater Alois - hier im Saal mit vorschriftsmäßiger  jüdischer Kopfbedeckung - bedankt sich bei Judit Neuwald-Tasbach für die freundliche Aufnahme und die ausführlichen Erklärungen zum jüdischen Leben in Gelsenkirchen.

  

Unterwegs nach Ostern in St. Elisabeth

Unter diesem Motto fanden in unserer Gemeinde besonders gestaltete Gottesdienste und Abende des Gebetes und der Besinnung statt. Im Rahmen der diesjährigen Fastenreihe kam es 2 Wochen nach dem Synagogenbesuch zu einer weiteren Begegnung mit Frau Neuwald-Tasbach im Gemeindesaal von St. Elisabeth. Der Grund war die Einladung unseres Gemeinderates zu einem gemeinsamen Jüdischen Essen. Eingeleitet wurde der Abend in der Kirche durch gesprochene und gesungene Psalmen, jüdische Gebete und Lesungen aus dem Alten Testament. In Erwartung einer für die meisten ´befremdlich´ angerichteten und dargereichten Speise begaben sich die Gottesdienstbesucher erwartungsvoll in den Saal. Hier wurde nun das ´Jüdische Essen´ serviert, das oftmals fragende Blicke hervorrief. Erklärungen dazu vernahmen die Gäste von Judith Neuwald-Tasbach. So unterscheiden die gläubigen Juden ihre Speisen in erlaubte (koschere) und nichterlaubte (nichtkoschere). Vorgegeben sind diese Zuordnungen in den fünf Büchern Mose, die wiederum in der Thora niedergeschrieben sind. Die Unterscheidung findet sich u. a. bei Tiergattungen und auch bei der Zubereitung von Speisen, die tierische Produkte beinhalten. Im Einzelnen auf bestimmte Regelungen einzugehen, würde an dieser Stelle sicherlich zu weit führen. Jedenfalls führte der Genuss der angebotenen Speisen an diesem Abend zu neuen Erkenntnissen im Verständnis der Essensgewohnheiten im gelebten Judentum.

Die nachfolgenden Bilder geben einen kleinen Einblick über die Teilnehmer und die dargereichten Speisen am ´Jüdischen Abend´ im Saal der Gemeinde St. Elisabeth in Heßler.

 

 

  

Ein koscherer Likör als Willkommenstrunk ..............

...............und koscherer Wein, der nicht mit Gelatine geklärt worden ist - hier mit Koscher-Zertifikat - 

 

Liebevoll angerichtet: Die koscheren Speisen, die mit dem entsprechend der vorgegebenen Regel gebackenen Brot auch recht gut schmeckten.

 

 

(Alois Kessel)